Psychoskripte

Beispiele zur psychologischen Beratung im Internet

Stress-Management

Zeit und Stress

In der Ewigkeit
gibt es keinen Stress
© geralt, Gerd Altmann /
Pixelio

Das Spektrum der Reaktionen auf Stress reicht von der Begeisterung, die erhebt und zu Taten anregt, über die Langeweile, die zermürbt und die Seele verödet, bis hin zum traumatisierenden Stress, der die Persönlichkeit zerstört. Der griechische Philosoph Epikur, der seelische Ausgeglichenheit durch ein maßvolles Leben anstrebte, lehrte über den Tod, den großen Angstmacher: "Solange ich bin, ist der Tod nicht. Und wenn der Tod ist, dann bin ich nicht!"

Man kann diesen Satz auch paraphrasieren, damit er auf das Thema dieser Seite passt: "Solange ich bin, ist Stress. Und wenn kein Stress ist, dann bin ich tot."

Unter Stress versteht man die psychischen, geistigen und körperlichen Reaktionen auf äußere Reize, die sog. Stressoren. Diese Reaktionen erhöhen einerseits unsere Bereitschaft und Fähigkeit, besondere Anforderungen zu meistern, andererseits aber belasten sie uns u. U. physisch und psychisch. Ein völlig stressfreies Leben kann es also nicht geben, weil uns immer wieder äußere Reize herausfordern, und blieben sie aus, dann führte dies mit der Zeit ebenfalls zu erheblichem Stress. Dies belegen die Experimente zum systematischen Reizentzug (Sensorische Deprivation).

Manche lieben Stress und können ohne ihn nicht sein. Sie stürzen sich in Arbeit und Abenteuer. Kein Risiko kann groß genug, keine Gefahr bedrohlich genug sein. Andere ziehen die einsame Hütte am Waldrand vor und geraten in Panik, wenn die Welt an ihnen zerrt und zurrt. Wie wir auf Stress reagieren, ist eine Frage der Stress-Toleranz, und die hängt gleichermaßen von unseren Erbanlagen wie von unseren Lernerfahrungen ab.

Von diesen Einflussgrößen werden natürlich auch unsere Strategien zur Stressbewältigung bestimmt. Der eine zieht sich nach Möglichkeit zurück, verschränkt die Beine im Lotussitz und versinkt in tiefe Meditation. Der andere eilt in die nächste Kneipe und kippt sich ein paar Gläser hinter die Binde. Manche drehen durch und müssen von weißgekleideten, kräftigen Herren in ruhigere Gefilde geleitet werden. Andere haben gelernt, die stress-erzeugenden Reize umzudeuten und in Quellen der Freude zu verwandeln.

Dies zeigt: Der Stress an sich ist meist nicht das Problem, sondern die Art, wie wir mit ihm umgehen. Es gibt natürlich auch Situationen, z. B. auf der Folterbank, in denen keine sinnvolle Form der Stressbewältigung existiert (weil sie von den Folterknechten nicht zugelassen wird).


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Grundlagen
Beispiele:
Im Fluss sein

Stress muss oft nicht sein. Es liegt an Ihnen. Man sollte vor diesem Phänomen den Kopf nicht in den Sand stecken. Stress ist nämlich nicht grundsätzlich gesund, wie manche meinen. Schlecht bewältigter Stress kann der Gesundheit schaden. Extremer Stress schädigt sogar das Gehirn. Es gibt eine positive Antwort auf Stress: Flow! Wenn wir mit kräftigen Zügen durch den und mit dem Strom des Lebens schwimmen wie ein trainierter Schwimmer durch einen Fluss, wenn wir uns an der Natur um uns herum und an der eigenen Kraft erfreuen, dann ist Stress eine Quelle der Inspiration, des Ansporns und Voraussetzung für Freude, Genuss und Lust.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass wir halbwegs mit der Welt und mit uns selbst im Reinen sind. Wir müssen ohne (unbewusste) Vorbehalte letztlich bejahen können, was wir tun. Eine ungeliebte Arbeit unter Zwang verrichten zu müssen, ist arger Stress. Dieser Stress wird uns zermürben, wenn es uns nicht gelingt, entweder diese Arbeit loszuwerden oder zu beginnen, sie zu lieben - na ja, lieben vielleicht nicht gerade, aber ihr etwas abzugewinnen, irgendwas.

Stressbewältigung ist also eine Management-Aufgabe. Es geht um Kontrolle. Experimente zeigen beispielsweise, dass Lärm weniger Stress erzeugt, wenn man ihn selbst hervorruft. Je kleiner der Entscheidungsspielraum bei einer Arbeit, desto stärker ist die Belastung. Stressbewältigung ist ganz wesentlich eine Frage von Macht und Ohnmacht.

Die einzig wahre Methode

Zahllose Bücher, Broschüren und Internet-Seiten propagieren Methoden zum Stressabbau oder gar zur Meisterung von Stress. Diese Methoden unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander, dennoch haben sie eins gemeinsam: Sie bringen uns nicht weiter. Sie beinhalten nämlich oft sehr lange Listen von Maßnahmen, die von ergreifen und von Sünden, die man unterlassen solle.

Doch was dem einen beruhigt, macht den anderen wild. Auch beim Thema "Stress" gibt es keinen Königsweg zum Heil, keine einzig wahre Methode. Vielmehr kommt es darauf an, dass jeder seinen eigenen Weg findet. Das ist das ganze Geheimnis. Zum schlechten Stressmanager werden wir nicht dadurch, dass uns prinzipiell die Fähigkeit zur Stressbewältigung fehlte. Damit hat uns die Natur alle ausgerüstet - dabei allerdings den einen mehr begabt als den anderen.

Zu schlechten Stressmanager werden Menschen, denen der unzulängliche Umgang mit Stress gleichsam antrainiert wurde: von Eltern, Lehrern, Lehrherren usw. Manchen Zeitgenossen sind gute Stressbewältigungstechniken ja ein Dorn im Auge, weil sich Menschen, die dies gut können, nicht so leicht beherrschen lassen.



Grundlagen und Ablauf der Beratung

Meine Beratung zum Stressmanagement besteht aus den folgenden Elementen:

Das Ziel meiner Stress-Beratung ist die Steigerung der Wahrscheinlichkeit von Flow-Erfahrungen.


Meditation

Nicht bei allen Menschen wirksam, aber hochgelobt von ihren Freunden, ist die Meditation ein erprobtes Mittel zum Abbau von Stress. Auch wenn Meditationslehrer heftig protestieren mögen, so möchte ich doch eindringlich hervorheben, dass die Meditation keine Methode ist, sondern eine besondere Weise des In-der-Welt-Seins.

Sobald wir den Einfluss innerer und äußerer Reize auf unser Seelenleben vermindern und dennoch wach bleiben, meditieren wir. Es ist dabei ganz gleichgültig, mit welcher Methode wir diese Seelenlage erreichen.

Zum Meditieren braucht man nicht unbedingt eine stille Klause; sogar im Schlachtgetümmel kann man meditieren.

Meditiation hat daher auch nichts mit Religion und Esoterik zu tun, wenngleich diese die Meditation gern für sich vereinnahmen. Lesen Sie hierzu Modern Times Meditation.

Musik

Musik kann bei Stress Wunder wirken - besonders bei dafür empfänglichen Menschen. Doch nicht jede Art der Musik ist zu diesem Zweck gleichermaßen geeignet. Lesen Sie den Artikel über "Stress und Musiktherapie" von Dr. Hans Ulrich Gresch im eMag "psychoscripte".


Mein liebstes Gedicht

Friedrich Hölderlin
Abendphantasie

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten, fröhlich verraucht des Markts
Geschäft'ger Lärm; in stiller Laube
Glänze das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh
Ist alles freudig; warum schläft denn
nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldene Welt; o dorthin nimmt mich,
Purpurne Wolken! Und möge droben

In Licht und Luft mir zerrinnen mit Lieb und Leid! -
Doch, wie verscheucht von törichter Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wird's und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich -

Komm du nun, sanfter Schlummer! Zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Ein Stachel in der Brust

Es ist vergeblich, auf ein friedliches und heiteres Alter zu hoffen, das ja auch dem Dichter, Hölderlin, nicht beschieden war, der schon früh dem Wahnsinn verfiel. Wäre da nicht der Stachel in der Brust, wie toll könnte es zugehen in der Welt, ohne dass wir die Ruhe verlören?

Auch die Meister der Meditation, die Zustände tiefster Versenkung erreichen, können diesen Stachel nicht in den von Hölderlin ersehnten Schlaf versetzen. Dieser Stachel ist das Leben selbst. Und wer noch lebt, der spürt ihn.

Hirnschäden durch Stress

Extremer, langandauernder Stress schadet dem Gehirn. So zeigten z. B. Untersuchungen bei Frontsoldaten und Opfern sexuellen Missbrauchs einen deutlich verkleinerten Hippocampus bei diesen Opfern von Extremstress. Der Hippocampus besitzt zentrale Bedeutung für das Lernen und das Gedächtnis.
( J. D. Bremner: Does Stress Damage the Brain? Biological Psychiatry, 1999, 45,797-805).


Mit freundlichen Grüßen aus Nürnberg, Ihr Hans Ulrich Gresch

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