

Wenn Sie abends im Bett
statt Schäfchen
Kippen zählen, könnten
Sie dann einschlafen?
Zunächt vorab: Hören Sie mit dem Rauchen auf! Sie haben es versucht? Mehrmals? Es schmeckt so gut? Ist es wirklich so schädlich? Wie schaffe ich das nur? Sie schaffen es! Es geht gar nicht darum, ob Sie es schaffen wollen oder können; auch nicht darum, ob es das Leben verkürzt oder gar verlängert, ob es die Lebensqualität hebt oder senkt, ob es stinkt oder gemütlich duftet, ob es ein Zeichen der Schwäche ist oder Ausdruck von Lebensart und freiem Geist. Diese Frage stellen sich nicht beim Rauchen. Aufhören ist keine Frage der Vernunft. Auch keine des Gefühls. Aufhören ist eine Frage der Ehre. Und Sie wissen das. Also handeln Sie auch.
Manche meinen, dass Rauchen schädlich sei, Lungenkrebs verursache und die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkt und Hirnschlag erhöhe. Andere bezweifeln dass und verwiesen darauf, dass Rauchen schlank mache und Stress abbaue. Der eine sagt's so, der andere so. Halten Sie sich von diesen akademischen Disputen fern. Zahlen, Daten und Fakten sind gar nicht so wichtig und an Statistiken sollte, das wissen Sie doch, ohnehin nur jener glauben, der sie selbst gefälscht hat. Vergeuden Sie nicht Ihre wertvolle Zeit mit dem Streit der Gelehrten. Bleiben Sie in Ihrem Raucherverein und gehen Sie allabendlich in Ihr verqualmtes Vereinslokal. Aber eins müssen Sie sich klarmachen: Es geht um die Wahrheit. Und zwar nicht um die relative der Wissenschaftler, die sich alle zwei, drei Jahre ändert. Es geht um die absolute Wahrheit. Und die lautet: Sie wollen mit dem Rauchen aufhören.
Unter diesen Umständen haben Sie alle Zeit der Welt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Sie haben ja Ihre Wahrheit, und die ist ewig. Diese Wahrheit verblasst nicht und sie kann auch nicht widerlegt werden. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Entspannen Sie sich. Sie haben doch noch so viele andere, wichtige Dinge zu erledigen. Auf ein paar Tage, was schreibe ich, auf ein paar Monate, wenn nicht Jahre kommt es da doch gar nicht an.
Ihr zeitlicher Spielraum ist also großzügig bemessen. Allerdings sollten Sie sich dennoch den Rahmen klarmachen, in dem sich alles hienieden unter sterblichen Menschen nun einmal bewegt. Dieser Rahmen ist weit, sehr weit, wie Sie wissen. Er ist dehnbar, elastisch. Aber Sie wollen seine Elastizität auch nicht überstrapazieren. Und so läuft letztlich doch alles auf den frei gewählten Entschluss hinaus: sofort mit dem Rauchen aufzuhören.

© x-cohen, Marcus Stark / Pixelio
Da ich selbst in meiner Jugend und im frühen Erwachsenenleben hart an der Grenze zum Irrsinn gequalmt habe, unter dieser als Charakterschwäche empfundenen Neigung jedoch litt, interessierte ich mich schon in jungen Jahren für die diversen Methoden der Raucherentwöhnung. Deren Zahl ist Legion. Fast immer handelt es sich bei diesen Kunststückchen, die Methode zu nennen mir die Verpflichtung zum guten Geschmack verbietet, um den einzig wahren Weg zur Rauchfreiheit.
Die originellste Methode schilderte mir ein Kommilitone während des Studiums. Er berichtete, dass er immer, wenn er das Bedürfnis nach einer Zigarette vespürte, aufs Klo ging, sich den Finger in den Hintern steckte und dann daran schnüffelte. Auf meine entsetzte Frage, ob dies nicht ekelhaft sei, antwortete er: "Was willst du? Ist es nicht noch viel ekelhafter, sich einen Glimmstengel anzustecken?"
Für die Methoden der Raucherentwöhnung gilt, was auf alle psychotherapeutischen Methoden zutrifft: Eine ist so gut, wie die andere. Es kommt darauf an, dass man dennoch fest an sie glaubt, ja, auf sie schwört. Und wenn man sich für eine Methode entschieden hat, dann muss man auf Teufel komm raus auch bei dieser Methode bleiben. Schließlich wechselt man ja auch nicht die Pferde im Fluss.
Ich kenne einen Arzt, der Abhängigkeitskranke behandelt, Alkoholiker, Drogenabhängige. Er ist Psychiater, Psychoanalytiker seines Zeichens. Er sollte, so meint man, die menschliche Seele kennen. Er ist ein hochgeschätzter Experte. Fchzeitschriften fühlen sich durch einen Beitrag von ihm geehrt, Kongresse schmücken sich mit seinem Namen, die Kostenträger buhlen um seinen Rat.
Aber er raucht, nicht immer, aber immer wieder wird er rückfällig. Er ist sich des Problems durchaus bewusst. Allerdings verleugnet er den Widerspruch zwischen seinem Verhalten und seiner Profession - er ist halt Psychotherapeut: Die können sich vielleicht das Rauchen abgewöhnen, aber ihren Narzissmus überwinden... das wäre nun wirklich zu viel verlangt.
Dieser Mensch also raucht, mit Unterbrechungen zwar, auch mit schlechtem Gewissen, aber er kriegt die Sache auf Dauer nicht in den Griff. So schwer ist das.
In meiner Jugend rauchte ich hart an den Grenzen des Wahnsinns. Ich begann damit relativ spät, mit siebzehn, also 1968. 1968: Das Jahr der revoltierenden Bürgersöhne, das Jahr der Provokateur-Agenten, aber auch der Hippies, die ihre Lieder von "Love and Peace" anstimmten und das "New Age" ausriefen.
Da ich nichts versäumen wollte, begann ich zu demonstrieren und zu meditieren, Letztgenanntes regelmäßig. Wenn sich in tiefer Versenkung so nach etwa zehn Minuten der Drang zu rauchen meldet, dann drängt sich die Frage auf, ob man sich wirklich auf dem Pfad zur Erleuchtung befindet. Und so beschloss ich, schon bald nachdem ich begonnen hatte, mit dem Rauchen wieder aufzuhören. Dieses Unterfangen zog sich über zehn Jahren hin. Seither rauche ich nicht mehr, demonstriere nicht mehr, meditiere aber immer noch.
Es ist nicht so, dass ich meine Ideale verraten hätte, auch wenn ich Kapitalismus und Marktwirtschaft inzwischen mit größerer Milde betrachte. Die Zigaretten schmecken mir einfach nicht mehr; Zigarettenqualm empfinde ich als ekelerregend; kurz: Zumindest in diesem Bereich bin ich kein dressierter Konsument mehr, kein Zigarettenmarktsklave, sondern ein freier Bürger, der einfach nur in Ruhe meditieren will.
Damit will ich nicht sagen, dass alle Raucher Sklaven sind, Unfreie oder gar Dummköpfe, die sich selbst versklaven. Nein, keineswegs. Man stelle sich vor: An einem Winterabend, draußen knackt der Frost, drinnen, in der warmen Stube vor dem Kamin, züngelt das Feuer. Mozart von der CD. Man sitzt im Lehnstuhl, die Lichter des Feuers huschen über die Wände, eine Decke auf dem Schoß schafft Behaglichkeit, auf ihr rekelt sich die Katze und brummelt leise. Neben uns, auf einem Tischchen, ein Glas guter Roter und der Aschenbecher. Wir lassen gedankenverloren blauen Dunst aufsteigen. Das ist Kultur, nicht wahr? Das Reich des Rauchens bietet Zauber und Geist in Fülle. Das ist Freiheit, das ist Lebensart. Doch Vorsicht: Das ist auch das Imperium der Sucht. Heroin könnte nicht schöner sein.
Meine Beratung zur Raucherentwöhnung besteht aus folgenden Elementen:
Es ist schon höllisch sexy, wenn ein roter Kussmund an einer Zigarettenspitze saugt; und erst die harten Männer mit ihren hellen Hüten, die beim Reiten rauchen - sind sie nicht hinreißend. Leider wurde der Zigarettenwerbung von politischen Spielverderbern Fesseln angelegt, und so müssen wir diese prickelnden Raucherfilme in unserem Hirnkino selbst inszenieren.
Schließen Sie die Augen und träumen Sie sich hinein in die Welt von Freiheit und Abenteuer. Genießen Sie einen sonnigen Vormittag am Pool inmitten junger, vor Leben strotzender Menschen, die an ihren Lightdrinks sippen und Rauchringe aufsteigen lassen.
Psychologie und Esoterik waren sich immer schon einig: Lebe im Hier & Jetzt. Nur der Augenblick zählt. Lassen Sie sich nicht von diesen Antiraucher-Kampagnen irritieren, und auch nicht von wohlmeinenden Freunden oder Partnern. Die wollen Ihnen doch nur Ihre wohlverdiente Freiheit nehmen. Immer, wenn solche Mießmacher-Botschaften an ihr Ohr dringen, schließen Sie Ihre Augen und träumen Sie von den Herrlichkeiten des Rauchens.
Moderne Psychologie und Philosophie sind sich einig: Es gibt keine objektive Wahrheit. Wir konstruieren unsere Wirklichkeit nach unseren subjektiven Maßstäben. Wählen Sie positive Maßstäbe.
Steigern Sie den Genuss durch geschickte Setzung von Realität. Sie rauchen doch gern. Also konstruieren Sie sich eine Welt, in der Sie das auch unbeschwert und ohne Reue tun können.
Die Zukunft? Pah! Heute ist heute. Es war schon immer riskant, einen besonderen Geschmack zu haben. Nur die Lüge macht den Sieger.
Es ist seit langem bekannt, dass Rauchen das Lernen fördert und das Gedächtnis verbessert. Forschern der freien Universität Amsterdam ist es gelungen, die zellulären Mechanismen dieses intelligenzsteigernden Effekts aufzudecken.
Eine niederländische Arbeitsgruppe um den Neurophysiologen Huibert Mansvelder entdeckte, dass Nikotin durch die Aktivierung von Acetylcholin-Rezeptoren einen Prozess beeinflusst, der als "spike-timing-dependent potentiation" bezeichnet wird. Auf Deutsch, wenn's drauf ankommt, sind die Zellen einfach aktiver bei der Aufnahme, Verarbeitung und Abspeicherung von Neuem unter Nikotin.
Die Forscher gingen dem segensreichen Wirken des Nikotins weiter auf den Grund. Nikotin wirkt danach auf bestimmte Neuronen, die sog. GABAergen Neuronen in den Lernzentren des Gehirns. Als Dank dafür beeinflussen diese Neuronen den Informationsaustausch zwischen Neuronen, die durch die Schlüsselsubstanz Kalzium vermittelt wird.
Die Wissenschaftler enthüllten zudem Mechanismen, durch die Nikotin verschiedene Arten von "Interneuronen" im präfrontalen Kortex erregt. Diese "Interneuronen" sind "Telefonzentralen", die Datenübertragungen zwischen Neuronen vermitteln (Cell Press. "Nicotine Enhances Learning And Memory: Could This Lead To New Alzheimer's Medications?." ScienceDaily 5 April 2007. 28 April 2008.
Wir sehen also: Rauchen macht smart. Die Frage ist nur, ob man auch im Jenseits rauchen darf oder ob dort die gewonnene Intelligenz wieder verloren geht.
Als der Herr mit mächt'ger Schwinge
durch die neue Schöpfung fuhr,
folgten in gedrängtem Ringe
Geister seiner Flammenspur.
Seine schönsten Engel wallten
ihm zu Häupten selig leis,
riesenhafte Nachtgestalten
schlossen unterhalb den Kreis.
"Eh' ich euren Reigen löse",
sprach der Allgewalt'ge nun,
"Schwöret, Gute, schwöret, Böse,
meinen Willen stets zu tun!"
Freudig jubelten die Lichten:
"Dir zu dienen, sind wir da!"
Die zerstören, die vernichten,
die Dämonen, knirschten:"Ja."
Für den gläubigen Raucher dürfte nach diesem Gedicht die Sache klar sein. Er darf weiterqualmen, weil er schließlich dem Dämon "Nikotin" gehorcht, und der ist Gottes Werk und tut dessen Willen.
Für die Atheisten aber wird die Sache schwierig. Sie müssten eigentlich, kraft ihres Unglaubens, unschwer erkennen, dass Rauchen ein großer Blödsinn ist, für den es keine vernünftige Rechtfertigung gibt. Wer also mit dem Rauchen aufhören will, sondern zunächst den Glauben an Gott und das Weiterleben nach dem Tode überwinden.
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