Zum Begriff der psychischen Krankheiten bzw. Störungen

Vorsicht: Psychodiagnosen können Menschen schaden. Sie können dazu führen, dass man seinen Arbeitsplatz verliert, Freunde einbüßt, in die soziale Isolation gerät. Doch selbst, wenn man eine Psychodiagnose geheim halten kann, beeinträchtigt sie höchstwahrscheinlich das Selbstwertgefühl.

Der Begriff "psychische Krankheit" erweckt den Eindruck, als ob es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen "körperlichen" und "seelischen" Störungen gäbe - als sei in dem einen Fall der Körper, im anderen die Seele krank.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass die Unterschiede kategorialer Art sind. Psychische und körperliche Störungen sind wesensgemäß verschieden und können daher auch nicht unter einem Begriff, nämlich dem der "Krankheit" zusammengefasst werden.

Der Begriff der "psychischen Krankheit" weckt zwei Assoziationen, die sich diskriminierend auswirken, die aber durch den Sachverhalt, den sie bezeichnen, nicht zwingend gerechtfertigt sind:

  1. Wer psychisch krank ist, gilt als unberechenbar, nicht mit "normalen" Maßstäben zu messen, evtl. sogar als gefährlich.
  2. Falls er sich falsch verhält, so ist dies entschuldbar in einem Maß, das man "Normalen" nicht zugestehen würde.

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