
Eine psychologische Beratung via Internet ist nicht für jeden Menschen geeignet. Damit Sie besser entscheiden können, ob Sie von einer Internet-Beratung profitieren können, habe ich folgende Begriffsdefinitionen zusammengestellt.
Online-Beratung ist keine Psychotherapie. Sie ist nicht weniger wert, weniger effektiv oder sonstwie der Psychotherapie unterlegen; sie steht nur in einem anderen gesellschaftlichen und rechtlichen Kontext. Sie eignet sich daher auch nicht zur Behandlung schwerer psychischer Krankheiten. Für diese sind psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlungen vorgesehen, die in einem konventionellen Offline-Milieu stattfinden.
Zur Eingrenzung der möglichen Themen einer Online-Beratung bzw. eines Online-Trainings möchte ich zunächst die grundlegenden Begriffe klären:
Beispiele: Schizophrenie, endogene Depression, Borderline-Persönlichkeitsstörung, schwere Angststörungen, Zwangsstörungen
Der Begriff "Psychische Krankheit" ist nicht unproblematisch. Er suggeriert, dass psychische Störungen mit körperlichen Krankheiten vergleichbar seien und daher auch nach einem medizinischen Konzept behandelt werden könnten. Dies ist nicht der Fall. Psychotherapie und sogar die Behandlung mit Medikamenten sind nur wirksam, weil sie eine Hilfe zur Selbsthilfe darstellen.
Mitunter stecken Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die sie durch Änderungen ihrer Einstellungen, emotionalen Reaktionen, ihres Denkens und ihres Verhaltens besser meistern könnten als ohne diese. Um eine Psychotherapie zu erhalten, die von den Kassen finanziert wird, benötigen sie eine Psychodiagnose, die ihnen eine "psychische Krankheit" unterstellt. Dies ist nicht nur diskriminierend, sondern entspricht in vielen Fällen auch nicht den Tatsachen. Wer beispielsweise seinen Job und seine Frau verloren hat, wird für eine längere Zeit höchstwahrscheinlich sehr bedrückt, traurig, mutlos und verzweifelt sein. Es ist aus meiner Sicht nicht erforderlich, ihm deswegen das Etikett "Depression" anzuheften und ihn dadurch fürs Leben zu zeichnen.
In solchen Fällen ist die psychologische Beratung eine gleichwertige, ja, insgesamt bessere Alternative zur Psychotherapie, deren Kosten allerdings (leider noch) privat getragen werden müssen.
Hintergrund: Zum
Begriff der psychischen Krankheiten
Hintergrund: Psychotherapie
Hintergrund: Selbsthilfe
Ein psychisches Problem ist eine störende Diskrepanz zwischen dem gegebenen Ist-Zustand und einem gewünschten Soll-Zustand, deren Überwindung dem Betroffenen aufgrund psychischer Faktoren Schwierigkeiten bereitet. Bei diesen psychischen Faktoren handelt es sich um Störungen oder Defizite der Wahrnehmung, des Gedächtnisses, des Denkens, der Gefühle und des Verhaltens, die aber nicht den Kriterien einer psychischen Krankheit nach obiger Definition entsprechen. Sie entziehen sich vor allem nicht weitgehend der Kontrolle durch den Betroffenen und führen auch nicht zu erheblichen sozialen bzw. wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Betroffene benötigt also keine Psychotherapie im engeren Sinne, könnte aber von einer Beratung und einem psychologisch fundierten Training profitieren.
Beispiele: Lernstörungen, mangelndes Einfühlungsvermögen in andere Menschen, Schwierigkeiten beim Äußern von Gefühlen, geringe Selbstachtung, Verstimmungszustände (Depressivität), Ängste, Leiden unter Konflikten, Spannungen, Stress in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz.
Probleme der Kommunikation, der Zusammenarbeit und/oder des Umgangs zwischen Menschen aufgrund unterschiedlicher Interessen, Einstellungen, Werte, Lebenslagen, Informationen und Gruppenzugehörigkeiten
Beispiele: Eheprobleme, Mobbing am Arbeitsplatz, Störungen der Zusammenarbeit im Team, Streit mit Nachbarn
Schwierigkeiten bei Entscheidungen und im Verhalten aufgrund widerstrebender Motive, widersprüchlicher Überzeugungen und unterschiedlicher eigener bzw. fremder Erwartungen.
Bespiele: Konflikte zwischen Pflicht und Neigung, Altruismus und Egoismus, Karriere oder Familie, Freizeit oder Weiterbildung, Sparen oder Genießen.
Beurteilung von psychischen Merkmalen (Intelligenz, Persönlichkeit, Berufseignung, psychische Krankkeiten usw.) durch Gespräche, psychologischen und pädagogische Tests, Fragebögen, Assessment Centers usw.
System aufeinander bezogener Maßnahmen zur Behandlung psychischer Krankheiten im oben definierten Sinne auf Grundlage einer Theorie der Entstehung, Diagnose und Behandlung dieser Störungen.
Vermittlung psychologischer Kenntnisse und Methoden an Ratsuchende als Hilfe zur eigenständigen Meisterung psychischer Probleme, sozialer und innerer Konflikte. Sie ist in vielen Fällen eine gleichwertige, wenn nicht bessere Alternative zur konventionellen Psychotherapie nach dem medizinischen Modell.
Methoden zur Umsetzung psychologischer Erkenntnisse in praktisches Handeln mit Feedback zur Realisierung und zum Erfolg des Umsetzungsversuchs. Das Ziel des Feedbacks besteht darin, die angestrebten Verhaltensmuster auf Grundlage eines psychologisch fundierten Trainingsplans schrittweise zu optimieren.
Aus diesen Definitionen ergibt sich die Eingrenzung der Themen dieses Internet-Anbebots: Beratung und Training bei psychischen Problemen und inneren bzw. sozialen Konflikten, zur Förderung des psychischen Wachstums, zur Entwicklung der Persönlichkeit, zur Erweiterung des Bewusstseins, zur Steigerung der psychischen Energie sowie der allgemeinen Lebenszufriedenheit.
Meine Beratung eignet sich nicht als Therapieersatz bei schweren psychiatrischen Erkrankungen wie z. B. manchen Depressions- oder Schizophrenie-Formen. Natürlich können sich auch diese Menschen an mich wenden, wenn sie meine Unterstützung bei allgemeinen Lebensproblemen in Anspruch nehmen möchten oder wenn sie Hilfe bei der Entscheidung über Therapien bzw. für Therapeuten benötigen.
Ausnahme MPD/DIS: Die Multiple Persönlichkeitsstörung bzw. die Dissoziative Identitätsstörung ist eine schwere psychische Störung, die aus meiner Sicht nach Möglichkeit nicht via Internet behandelt werden sollte. Dennoch biete ich eine psychologische Beratung für einige Klienten aus diesem Bereich an. Und dies aus folgenden Gründen:
Im Lauf der Jahre haben sich viele Betroffene bei mir gemeldet. Sie behaupteten, seit ihrer frühesten Kindheit mit ausgefeilten Methoden absichtlich in multiple Persönlichkeiten verwandelt worden zu sein. Sie hätten eine Odyssee durch die Praxen von Psychiatern und ärztlichen bzw. psychologischen Psychotherapeuten hinter sich. Niemand habe ihnen helfen können, viele hätten sie als schizophren eingestuft. Sie seien an weiteren Arztbesuchen nicht mehr interessiert. Daher habe ich mich entschlossen, diesen Menschen meinen Rat anzubieten - wobei ich mir der Problematik einer virtuellen psychologischen Beratung bei diesen Klienten sehr wohl bewusst bin.
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Dipl.-Psych. Dr. Hans Ulrich Gresch