Psychoskripte

Hans Ulrich Gresch

Ursache und Therapie der Persönlichkeitsstörungen


Volk und Knecht und Überwinder, sie gestehn zu jeder Zeit:
Höchstes Glück der Erdenkinder sei nur die Persönlichkeit .
Jedes Leben sei zu führen, wenn man sich nicht selbst vermißt;
Alles könne man verlieren, wenn man bliebe, was man ist.
(Goethe)


Goethe schreibt nicht "... ist die", sondern "... sei die Persönlichkeit." Man müsse bleiben, was man ist. Dies ist eine Aktivität, und in unserer heutigen, konformitätssüchtigen Zeit sogar eine heroische Tat. Die Persönlichkeit bekommt man nicht geschenkt. Man muss erkennen, wer man ist, und dann dafür kämpfen, dies auch zu sein.


Definition erforderlich

Eine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Begriff der Persönlichkeitsstörungen setzt die Definition von "Persönlichkeit" voraus. Die meisten Menschen meinen vermutlich zu wissen, was Persönlichkeit sei, erfährt doch jeder Mensch die Unterschiede zu und die Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen in seinem Alltagsleben.

Definition schwierig

Trotz dieses großen Erfahrungsschatzes fällt es aber den meisten Menschen schwer, die Persönlichkeit zu definieren. Auch in diesem Bereich der menschlichen Psychologie entsprechen Vertrautheit und Wissen einander also nicht. Es ist sicher noch wesentlich schwieriger zu charakterisieren, wodurch sich denn eine sog. normale oder gesunde von einer kranken oder gestörten Persönlichkeit unterscheidet.

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Grundsatz-Artikel

Sind Persönlichkeitsstörungen Beziehungsstörungen?



Erblichkeit und freier Wille

Persona = Maske
Die aussagekräftigste Methode, die Erblichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen zu erforschen, besteht in der Untersuchung von eineiigen Zwillingen, die gleich nach der Geburt getrennt wurden und in verschiedenen Familien und sozialen Milieus aufwuchsen. Es zeigte sich in diesen Studien, dass die Erblichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen im Durchschnitt bei fünzig Prozent liegt. Bei keinem Persönlichkeitsmerkmal wird dieser Wert genau getroffen, aber die Werte liegen doch erstaunlich dicht beieinander. Noch erstaunlicher aber ist, dass die ins Auge springenden Umweltfaktoren wie Ausbildung, sozio-ökonomischer Status oder Erziehungsstil so gut wie keinen Einfluss besitzen.

Ich folgere daraus, dass die Erbanlagen auch hinsichtlich der Persönlichkeit jene Rolle spielen, die Astrologen den Sternen zuschreiben: Sie zwingen nicht, aber sie machen geneigt. Ob und wie weit diesen Neigungen entsprochen wird, hängt von den Bedingungen der Umwelt ab. Dabei handelt es sich aber keineswegs um jene Bedingungen, die allen heranwachsenden Menschen gleichsam aufgedrängt werden, sondern um spezifische Einflussgrößen, die ihnen in ihrem Leben begegnen oder die sie sich selber suchen. Die Persönlichkeitsbildung ist ein aktiver, wenngleich durch die Gene vorgebahnter Prozess, der sich im Wechselspiel mit der Umwelt vollzieht, von dieser aber keineswegs streng determiniert wird.


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Dr. Hans Ulrich Gresch

Ich bin Klinischer Psychologe, Wirtschaftspsychologe, Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und habe eine Zulassung zur Psychotherapie.
Seit über 25 Jahren arbeite ich in wissenschaftlichen, klinischen und wirtschaftspsychologischen Arbeitsfeldern.
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Tel. 0911-89659017